Wie kann die Erlösung aus Gnade freien Willen beinhalten?

Wie funktioniert Erlösung durch Gnade, wenn Menschen einen freien Willen haben? Wenn die Erlösung davon abhängt, dass Individuen wählen, ob sie erlöst werden wollen oder nicht, geschieht Erlösung dann auf Grund von Gnade oder von Werken? Wenn wir uns für oder gegen Gott entscheiden müssen, ist es dann nicht letztendlich unser Verdienst, dass wir erlöst werden? Lehrt die Bibel nicht auch, dass niemand selbst wählen kann Jesus als Herrn zu bekennen außer in der Kraft des Heiligen Geistes (1. Kor. 12,3)?

Wenn das wahr wäre, dann scheint es, dass der letztendliche Grund wieso einige erlöst sind und andere nicht, nicht in der freien Wahl eines jeden Individuums besteht. Es müsste eher daran liegen, dass der Heilige Geist einige dazu befähigt, aber andere nicht. Und so scheint es, dass Gott entscheidet (erwählt), wer erlöst wird und wer nicht. Ich habe festgestellt, dass viele Calvinisten an dieser Überzeugung festhalten, weil sie denken, dass dies die einzige Sichtweise ist, welche Gott die ganze Ehre dafür gibt, dass er uns erlöst. Für einige Zeit, als ich studierte, war dies das Argument, wieso ich Calvinist blieb – auch wenn ich andere Aspekte dieser Theologie hasste.

Dies mag einige überraschen, aber ich finde das calvinistische Argument der Gnade noch immer sehr überzeugend. Die Bibel lehrt, dass die Erlösung vollkommen aus Gnade und nicht aus Werken besteht. Und sie lehrt sehr deutlich, dass Menschen, getrennt vom Heiligen Geist, von sich aus die Erlösung gar nicht wünschen. Auf uns selbst gestellt sind wir „tot“ für geistliche Dinge (Eph. 2,1-5), und Leichen können, soweit ich weiß, wenig bis gar nichts tun. Der Vater muss uns ziehen, damit wir zu Jesus kommen.

Wenn es wahr wäre, dass Menschen genug Leben, Güte oder Intelligenz besitzen, um Gott selbstständig zu wählen, und wenn der Grund wieso einige erlöst sind und andere nicht darin besteht, dass einige Gott selbstständig wählen und andere nicht, dann sehe ich keine Möglichkeit wie jemand die Schlussfolgerung verhindern könnte, dass der Grund weshalb einige erlöst sind und andere nicht, darin besteht, dass einige besser oder intelligenter sind als andere! Also erlöste Leute, klopft euch selbst auf die Schulter!

Gleichzeitig scheint es aber genau so klar zu sein, das Gott nicht willkürlich auswählt, wer gerettet wird. Er will nicht, dass irgendjemand verloren geht, sondern will, dass alle ins ewige Leben eingehen (2. Pet. 3,9; 2. Tim. 2,4-6). Jesus starb für die Sünden jedes Menschen (1. Joh. 2,2). Also muss jede Argumentation, die zu einem Bild von Gott führt, der weniger als universell in seiner Liebe ist, und weniger als universell in seinem Wunsch die Menschen zu retten, einen Fehler beinhalten.

So wie ich das sehe, besteht der Fehler in der Argumentation, die zu der Reformierten Lehre der Vorherbestimmung (Prädestination) führt, in der Annahme, dass Gottes Gnade unwiderstehlich sein muss. (Dies ist das „I“ des berühmten Calvinistischen Akronyms TULIP – den fünf Punkten des Calvinismus; „I“ steht im Englischen für „unaufhaltsame Gnade“). Es ist eine Sache zu sagen, dass Menschen ohne den Heiligen Geist NICHT an Christus glauben würden, aber eine ganz andere, zu behaupten, dass Menschen wegen dem Heiligen Geist glauben MÜSSEN. Während ich verschiedene Aspekte der biblischen Geschichte betrachte, komme ich zu der Schlussfolgerung, dass Gott will, dass jeder errettet wird, und dass der Heilige Geist am Herzen jedes Menschen arbeitet, um ihn zu retten. Aber der Heilige Geist wird nicht mittels Zwang wirken. Eine erzwungene Liebe ist keine echte Liebe. Deshalb fordert uns die Bibel dazu auf, dem Heiligen Geist nicht zu widerstehen (Apg. 7,51; Eph. 4,30; Heb. 3,7-8). Der Heilige Geist wird uns zu dem Punkt bringen, an dem wir glauben KÖNNEN, aber nie zu einem Punkt, an dem wir glauben MÜSSEN. Also ist es Gottes Gnade zuzuschreiben, der durch den Geist wirkt, wenn wir glauben. Wenn wir uns aber weigern, ist es unsere eigene Schuld.

Diese Sichtweise beinhaltet ein Mysterium. Aber das Mysterium besteht nicht darin, dass Gott einige unwiderstehlich erwählt, wenn er genauso leicht unwiderstehlich alle hätte erwählen können (während er uns sagt, dass er alle erlösen WILL). Das mysteriöse an dieser Sichtweise besteht darin, wieso irgendjemand weiterhin in seiner Rebellion verharren könnte oder möchte. Dies ist das unergründliche Mysterium des Bösen. Wie auch immer ich mit diesem Mysterium klar komme, es scheint biblischer und weniger problematisch zu sein als das Mysterium eines selektiv erlösenden Gottes.

Original:  https://reknew.org/2014/08/how-can-salvation-by-grace-involve-free-will/

 

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