Warum werden manche Gebete nicht erhört?

Wir alle haben um Dinge gebetet und uns gefragt, warum Gott nicht geantwortet hat. Es ist klar, dass nicht all unsere Gebete das bewirken, worum wir gebetet haben. Es ist weit verbreitet, zu sagen, dass Gott das Gebet immer mit einer von drei Antworten erhört: „Ja“, „Nein“ oder „Noch nicht“. Aber ist die Realität nicht etwas komplizierter?

Warum wird das eine Gebet erhört und das andere nicht? Ist Gottes Wille der einzige Faktor?

In Gregs Buch „Trifft Gott die Schuld?“ beschreibt er neun Faktoren, die die Ergebnisse des Gebets beeinflussen oder sich auf sie auswirken. Es ist nicht möglich, hier eine vollständige Erläuterung zu jedem dieser Faktoren zu geben, aber dies ist eine Zusammenfassung der wesentlichen Punkte:

  1. Gottes Wille. Ich habe [in diesem Buch und an anderer Stelle] dagegen argumentiert, sich nur auf Gottes Willen als einzige Erklärung zu berufen, warum Gebete beantwortet werden oder nicht. Doch Gottes Wille ist der grundlegendste Faktor, der sich auf die Erhörung eines Gebets auswirkt. Johannes sagt, wir sollen mutig sein im Gebet und darauf vertrauen, dass er uns erhört, wenn wir um etwas bitten das seinem Willen entspricht (1.Joh. 5:14).
  1. Der Glaube der Person, für die gebetet wird. Überall, wo Jesus hinkam, wurden Scharen von Menschen geheilt und befreit, außer in seiner eigenen Heimatstadt. Markus erklärt warum: „Er konnte dort keine Wundertaten vollbringen, außer dass er seine Hände auf einige Kranke legte und sie heilte. Und er war erstaunt über ihren Unglauben“ (Mark. 6:5–6)…
  1. Der Glaube der Menschen, die beten. Im Dienst Jesu war die Wirksamkeit des Gebets oft mit dem Glauben der Menschen verbunden, die für andere beteten, und nicht mit dem Glauben derer, für die gebetet wurde. Als sich beispielsweise eine Gruppe von Menschen die Mühe machte, ein Dach abzubauen und einen gelähmten Freund in einen überfüllten Raum hinunterzulassen, damit Jesus ihn heilen konnte, sagt Lukas, dass Jesus „ihren Glauben“ sah, und deswegen ihren Freund heilte (Luk.5,20).
  1. Beharrlichkeit im Gebet. Ein vierter Faktor für die Erhörung des Gebets ist unsere Beharrlichkeit. Wir haben keinen Grund zu glauben, dass spirituelle Arbeit so viel anders ist als körperliche Arbeit, und wir wissen, dass körperliche Arbeit oft Ausdauer erfordert. Einige Steine können in einer Minute gehoben werden, andere hingegen benötigen Stunden. So ist es im Gebet. … (Siehe Lukas 11,5-8)
  1. Die Anzahl der Menschen, die beten. Wenn es um eine wichtige Angelegenheit geht, bitten die meisten Gläubigen instinktiv andere, mit ihnen zu beten. Die Annahme ist, dass wenn mehr Menschen beten, es wahrscheinlicher ist, dass diese Angelegenheit in Übereinstimmung mit dem gemeinsamen Gebet gelöst wird. Diese Annahme ist einleuchtend… (Siehe Eph. 6:19-20; Kol. 4:3–4)
  1. Der freie Wille des Menschen. Ein sechster zu berücksichtigender Faktor ist der freie Wille der Menschen, für die wir beten. Wir können zum Beispiel für die Errettung eines Menschen beten, und dies wird zweifellos den Einfluss des Heiligen Geistes in seinem Leben verstärken. Aber Gott wird nicht – und angesichts der Art von Welt, die er erschaffen hat, kann nicht – einfach den freien Willen eines Menschen außer Kraft setzen, um unser Gebet zu beantworten. Wenn Gott sich einfach über den freien Willen der Menschen hinwegsetzen könnte, um sie zu retten, dann hätten wir allen Grund zu glauben, dass jeder gerettet würde. (Siehe 1. Tim. 2:4–6, 4:10; 2. Pet.3:9)!
  1. Der freie Wille spiritueller Wesen. Der Mensch ist nicht der einzige Akteur im Kosmos, der ein moralisch verantwortliches Mitspracherecht hat. Geistwesen (in der Schrift als Engel, Götter, Dämonen, Fürsten, Mächte, Autoritäten, Herrscher bezeichnet) besitzen ebenfalls einen freien Willen. Ihre Aktivität ist ein weiterer Faktor, der das Gebet beeinflusst… (siehe Dan. 10,12-13; 1. Thess.2,17-18).
  1. Die Anzahl und Stärke geistlicher Akteure. Die spirituellen Wesen steuern noch einen weiteren Faktor bei der Beeinflussung der Erhörung unserer Gebete bei. In der physischen Welt fällt es uns nicht schwer zu akzeptieren, dass die Anzahl der Streitkräfte auf beiden Seiten einer Schlacht ein wichtiger Faktor bei der Entscheidung über ihren Ausgang ist. Wir Westler ignorieren aber für gewöhnlich diesen Teil des gesunden Menschenverstandes, wenn wir über geistlichen Kampf nachdenken. (Siehe Luk. 11:24-26)
  1. Das Vorhandensein von Sünde. Nachdem Josua eine schreckliche Niederlage erlitten hatte, fielen er und die Ältesten Israels im Gebet vor Gott nieder. Aber der Herr sagte zu Joshua: “Steh auf! Warum bist du auf dein Angesicht gefallen? Israel hat gesündigt” (Josua 7:10-11). In dieser Situation war nicht das Gebet erforderlich, sondern die Konfrontation der Sünde. Diese Geschichte veranschaulicht das Prinzip, dass Gott in einigen Fällen will, dass wir etwas tun, bevor er unsere Gebete erhört (z.B. Buße tun oder die Sünde konfrontieren). Niemand wäre zum Beispiel überrascht, wenn Gott einem gewalttätigen Ehemann sagen würde, dass das Gebet um die Liebe seiner Frau nutzlos ist, solange er sie misshandelt!

Die Liste dieser neun Faktoren ist nicht vollständig. Die Bibel deutet noch weiter Faktoren an. Aber sie zeigen ausreichend auf, dass Beten – so einfach es ist – in seiner Wirkungsweise ziemlich komplex ist.

Englischer Originaltitel:  “Why Do Some Prayers Go Unanswered?”

https://reknew.org/2014/04/why-do-some-prayers-go-unanswered/

Detaillierter wird jeder Punkt im Buch „Trifft Gott die Schuld?“ (Kapitel 6) beschrieben:

http://ueberdenken.org/trifft-gott-die-schuld/

 

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