Warum braucht Gott Gebete?

Der eigentliche Zweck, mit Gott zu sprechen (das ist Beten eigentlich), hat wenig damit zu tun, um irgendwelche Dinge zu bitten. Es dient dem Aufbau einer vertrauensvollen, liebevollen Beziehung zu unserem Schöpfer und Erlöser. Was für eine Beziehung hätten Shelley (meine Frau) und ich wohl, wenn wir nur dann miteinander sprechen würden, wenn es darum ginge, vom anderen etwas zu verlangen? Keine Nennenswerte, oder? Und genauso ist es mit Gott. Die wichtigste Funktion des Betens ist einfach, mit jemandem zusammen zu sein, den man liebt: reden, zuhören oder einfach deinem Schöpfer „nahe sein“.

Um Dinge zu bitten – das nennt man übrigens „Bittgebet“ – ist nur ein kleiner Teil dieser vollkommenen Beziehung. Nicht, dass Gott es nötig hätte, dass wir ihn mit Hilfe irgendwelcher Bitten informieren oder ihn zu irgendetwas ermächtigen müssten! Er ist bereits so gut, so sehr um uns besorgt, so gut informiert und auch so mächtig, wie nur möglich. Aber weil für Ihn eine liebevolle Beziehung zu uns an oberster Stelle steht, ordnet er die Dinge so, dass eine solche Beziehung möglich wird. Und deshalb bestimmt es Gott, dass manche Dinge eben nur durch Beten möglich werden.

Weil für Gott die Liebe an erster Stelle steht, gibt er uns im Universum ein gewisses „Mitspracherecht“. Wir brauchen dies, wenn wir Personen mit Selbstbestimmungsrecht sein sollen, und er braucht Personen mit Selbstbestimmungsrecht in seiner Schöpfung, wenn er will, dass die Liebe das Ziel der Schöpfung ist. Deshalb haben wir Menschen etliche Macht, das Ergebnis der Dinge selbst zu bestimmen, ein gewisses „Mitspracherecht“ in unserer kleinen Ecke des Universums.

Bittgebete sind lediglich der geistliche Gesichtspunkt der „Macht zur Beeinflussung“, die Gott uns gibt. Genauso wie Gott bestimmt, dass er auf physikalischer Ebene nicht alles tun wird, was er möchte – um uns Freiheit zu geben – so bestimmt er auch, dass er auf geistlicher  Ebene nicht alles tun wird, was er möchte. Dieses geistliche „Mitspracherecht“ (des Betens) gibt er uns aus demselben  Grund, wie er uns ein „Mitspracherecht“ auf physikalischer Ebene gibt: um Frieden, Persönlichkeit und damit eine echte, liebevolle Beziehung zu ihm zu ermöglichen.

Eine echte Beziehung, glaube ich, kann es nur geben, wenn es eine persönliche Wechselwirkung zwischen zwei Personen gibt, wenn es ein »Geben und Nehmen» zwischen beiden Seiten gibt. Mit anderen Worten, jede echte Beziehung erfordert, dass beide Teile zu einem gewissen Grad über- und gegeneinander bevollmächtigt sind. Dies gilt sowohl für unsere Beziehung zu Gott als auch für unsere Beziehungen zu anderen Menschen. Gott will nicht als einziger das Sagen haben. Das alleinige Monopol einer Person – selbst wenn diese „Person“ Gott ist – zermalmt die Persönlichkeit von anderen. Also bestimmt Gott die Dinge derart, dass wir zu einem gewissen Grad Mitspracherecht in unserer Beziehung zu ihm haben. Er bestimmt die Dinge so, dass wir den Schöpfer tatsächlich beeinflussen können, nicht weil er uns braucht, sondern weil er das so möchte. Bittgebete sind meines Erachtens das hauptsächliche Mittel dieser Mensch-zu-Gott-Beeinflussung.

Auszug aus dem Buch “Briefe eines Skeptikers“ von Greg Boyd
Greg beantwortet die Frage seines Vaters: Wozu überhaupt braucht ein allmächtiger Gott Gebet?

Artikel im englischen Original:

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