Rettet die Offenbarung 6/9: Das Ende der uns bekannten Welt

In der Entrückungstheologie gibt es einige interessante Dinge zu bedenken. Diese Theologie besagt, dass die Christen eines Tages „in die Luft gesaugt werden“. Dieser Weggang der Christen geschieht genau bevor Gott die Schöpfung richtet. Vor allem in Zeiten apokalyptischen Fiebers  ist diese Theologie  attraktiv, weil sie den Menschen einen Ausweg aus der Welt bietet. Versteht man jedoch die Sprachen, in welchen diese Texte ursprünglich geschrieben wurden, hält diese Theologie einer genaueren Untersuchung nicht stand.

Idiome sind Redewendungen in einer Sprache, die nicht wörtlich gemeint sind. Im Englischen sagt man zum Beispiel „es regnet draußen Katzen und Hunde“. Damit will man sagen, daß es sehr stark regne, aber natürlich fallen keine Hunde und Katzen vom Himmel. Bei den biblischen Texten ist es genauso. Gewisse Aussagen im ursprünglichen Hebräisch und Griechisch sind Idiome und sollten deshalb nicht wörtlich gedeutet werden. Die Entrückungstheologie macht aber genau das, sie nimmt sie wörtlich. Lasst uns einige Beispiele betrachten.

In 1. Thessalonicher 4 ist vom Schall der Posaune die Rede, davon, dass Jesus auf einer Wolke geritten kommt, und dass die Christen in die Wolken zu Jesus aufgenommen werden. Im Entrückungsdenken bedeutet das, dass es wortwörtlich einen Posaunenstoss geben wird, wir dann alle mit Jesus gen Himmel fliegen und von der Erde weggenommen werden. Im Buch der Offenbarung geht ein Posaunenstoss immer dem göttlichen Gericht voraus, bedeutet aber auch einen Aufruf an die Menschen, in die Gegenwart Gottes zu kommen. „Auf den Wolken reiten“ wurde verwendet um auszudrücken, dass Gott in Macht und Herrlichkeit erscheint, insbesondere um Gericht zu bringen. Nirgends sah man Gott aber jemals wortwörtlich auf Wolken reiten, wenn sich diese Gerichte im Alten Testament ereigneten (siehe Jesaja 19,1; Jeremia 4,13; und Psalm 18,9-11). In diesen Stellen kam Gottes Gericht über die Menschen, aber nirgends wurde das Phänomen „auf den Wolken reiten“ wörtlich beobachtet. Im Thessalonicherbrief geht es darum, dass der Herr mit göttlicher Macht zurückkommt, um diese Erde wieder zu seinem Eigentum zu machen, und nicht darum, dass wir wortwörtlich in die Luft geholt werden.

Lukas 17,34-36 besagt, dass in dieser Nacht zwei in einem Bett sein werden, von denen einer weggenommen und der andere zurückgelassen wird. Im Entrückungsdenken bedeutet das, dass einige Menschen weggenommen, die anderen zurückgelassen werden. Davon erhielt auch die Buchreihe „Left behind“ (Zurückgelassen) ihren Namen. Betrachtet man jedoch den nächsten Vers genauer, begreift man, dass Jesus sagt, dass der Weggenommene getötet und nicht gerettet wird. Dies bezog sich auf die römische Offensive in den Jahren 66-70 n. Chr. als die Römer nach dem jüdischen Aufstand angriffen. Das Gleiche gilt für Matthäus 24, 36-41.

Markus 13 ist ein weiterer Abschnitt, welcher als ein sich auf das Ende der Welt bezogener Text interpretiert wurde. Da heißt es, dass es Kriege und Kriegsgerüchte, Hungersnöte und Erdbeben geben wird. In der Entrückungstheologie wird dies benutzt, um die Zeit vor der Entrückung zu beschreiben. Deshalb sehen die Leute in jedem neuen Kriegsgerücht irgendwelche Zeichen der bevorstehenden Entrückung. Zusätzlich sagt Jesus, dass sich in dieser Zeit die Sonne verfinstert und die Sterne vom Himmel fallen. Es ist jedoch ersichtlich, dass dies eine Redewendung ist, welche besagt, dass etwas Katastrophales geschehen wird. Dies bedeutet aber kein wörtliches Vom-Himmel-fallen der Sterne oder ein Auslöschen der Sonne. Hier beschreibt es die Zerstörung des Tempels in Jerusalem – eine verheerende Katastrophe für das jüdische Volk und für ihren Glauben.

Zusammengefasst ist die Beweislage für die Entrückung ziemlich dünn. Menschen haben Redewendungen aus antiken Sprachen wörtlich übersetzt und dann aus dieser Übersetzung eine Theologie entwickelt. Jesus kommt wieder, das ist sicher! Aber es ist unwahrscheinlich, dass eine wörtliche Entrückung geschehen wird. Was über das Ende der Welt geschrieben steht, wurde wohl seit einiger Zeit falsch interpretiert. Wie dem auch sei, Jesus betont, dass wir nicht über das zukünftige Datum seiner Rückkehr spekulieren, sondern stattdessen einen selbstaufopferungsvollen Lebensstil der Liebe in der Gegenwart pflegen sollen.




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