Gehalten (1/3)

Die meisten Menschen zur Zeit Jesu nahmen an, dass das Morden durch Pilatus oder der einstürzende Turm von Siloah ein Gericht Gottes über die getöteten Menschen war. Dies ist die älteste Gottesvorstellung in der Religionsgeschichte. Reichtum wird als Segen und Not als Strafe angesehen. Manche verschärfen diese Sicht noch durch die “Prädestinationslehre”. Sie lehrt, dass Gott bereits von Ewigkeit her im Voraus jedes einzelne Ereignis der Geschichte vorherbestimmt hat, auch dasjenige, das böse ist. Wenn also eine Mutter ihr Kind verliert, dann ist das Gottes Plan, um der Mutter etwas zu zeigen oder sie etwas zu lehren. Aber was Gott ihr zeigen oder was er sie lehren will, bleibt unklar.

Es fällt schwer, einen derartigen Gott leidenschaftlich zu lieben. Jesus vermittelt uns eine ganz andere Sichtweise von Gott und Leid. Jesus heilt Krankheiten und führt sie nicht auf eine Bestrafung zurück. Das Morden durch Pilatus und der einstürzende Turm in Lukas 13 sind nicht Fälle göttlicher Strafe. Stattdessen müssen wir erkennen, dass das Böse ein Ergebnis des freien Willens der Menschen und Engel ist. Wir leben auf einem Schlachtfeld, in dem Menschen und gefallene Engel schreckliche Taten ausführen und Situationen schaffen, die zu Bösem führen. Das Böse, das Menschen oder Engel tun, dürfen wir nicht Gott zuschreiben.

Gott gebraucht schreckliche Ereignisse, aber er schickt sie nicht. Dem Leiden gibt Gott einen Sinn, aber er schickt nicht das Böse, um einen Zweck zu erreichen. Deshalb brauchen wir uns keine Mühe zu machen, um zu versuchen Böses und Leiden zu erklären, die Ursache dafür zu finden oder uns zu überlegen, wie ein guter Gott eine solche Tat zulassen konnte. Es ist vielmehr wichtig, wie wir darauf reagieren. Wie kann Gott uns gebrauchen, um Heilung zu bringen, Liebe zu zeigen und Gottes Güte zu offenbaren – gerade in Situationen, die Gott überhaupt nicht ähnlich sehen?




Tags : , , , ,