2010-06-06_Boyd_Bruderhass

Bruderhass (2/6)

In der Geschichte vom verlorenen Sohn, wird der Fokus in der Regel auf den jüngeren Sohn gelegt, der weg läuft und den Reichtum seines Vaters leichtfertig verschwendet. Seine Sünde ist genauso offensichtlich wie sein Ungehorsam. Der ältere Sohn verhält sich ebenfalls seinem Vater gegenüber schlecht, aber auf eine subtilere Art und Weise.

Greg erinnert uns daran, dass Jesus hier Gleichnisse erzählte, um das religiöse Establishment herauszufordern, ihre Beziehung zu Gott zu überdenken. Die Pharisäer und Schriftgelehrten glaubten, dass ihre religiösen Praktiken und ihr gutes Verhalten ihnen Gottes Gunst sicherte. Die Geschichte des älteren Sohnes zeigt, dass diese Annahme falsch ist.

Ähnlich wie bei den Pharisäern und Schriftgelehrten, ist die Beziehung des älteren Sohns zu seinem Vater durch ein Vertragsdenken geprägt. Er arbeitet hart und verhält sich korrekt, um sein Erbe zu sichern. Er scheint die Beziehung nicht um der Beziehung willen zu pflegen, sondern er will sich seinen rechtmäßigen Anteil am Reichtum seines Vaters verdienen. Er ist daher sehr wütend auf seinen Bruder, der die Hälfte des Reichtums des Vaters verschwendet und dann trotzdem gefeiert wird, als er zurückkehrt (und dabei noch mehr Vermögen vergeudet)!

Der Vater versucht, den älteren Sohn zu ermutigen dazuzukommen und mitzufeiern, aber er weigert sich. Stattdessen beschwert er sich und sagt, dass er für seinen Vater geschuftet habe und ihm nie ungehorsam war. Es klingt wie ein Versuch, zu beweisen, dass er dessen, was der Vater zu bieten hat, würdig sei, im Gegensatz zu seinem Bruder. In der Tat sieht für die meisten von uns das Verhalten des älteren Sohnes viel besser aus als das des jüngeren! Es ist leicht zu verstehen, warum er wütend wurde. Und genau da liegt die Gefahr. Wir haben keine Beziehung zu Gott durch unsere harte Arbeit und durch das Einhalten des Gesetzes, sondern vielmehr dadurch, dass wir uns ihm völlig hingeben. Dadurch können wir die Gemeinschaft mit Gott und all das, was er uns zu geben hat, geniessen.

Der ältere Sohn ist genauso weit vom Vater getrennt, wie der jüngere Sohn, als dieser mit den Schweinen ass. Diesmal wird die Trennung nicht durch schlechtes Verhalten verursacht. Vielmehr sind es das gute Verhalten und der daraus resultierende Stolz, welche den älteren Sohn von seinem Vater trennen. Aber zum Glück geht der Vater dem älteren Sohn genau so nach, wie er den jüngeren wieder in der Familie willkommen heißt.

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